Zum Tod von Franz-Jürgen Bohnert

Veröffentlicht am 19.07.2022 in Nachruf

Franz-Jürgen Bohnert

Franz-Jürgen Bohnert
2. August 1944 - 14. Juli 2022

Jürgen Bohnert, den Franz hat er nur verwendet, wenn es offiziell wurde, trat mit 17 Jahren 1961 der SPD bei. Dies war lange vor den großen Eintrittswellen der Reformjahre der Bundesrepublik unter Kanzler Willy Brandt. „Für mich war klar, dass ich nicht nur zuschauen werde,“ sagte er einmal. Wer ihn kannte spürte die Energie, die dieser große Mann ausstrahlte. Jürgen Bohnert schaute nie nur zu, sondern meldete sich zu Wort. Von 1978 – 1984 führte er den SPD-Ortsverein Heidenheim, zur damaligen Zeit keine einfache Aufgabe, da zahlreiche verdiente und wesentliche ältere Mitglieder dort den Ton angaben. Bohnert lieferte sein Meisterstück zusammen mit dem ehemaligen HZ-Redakteur Heiner Kleinschmidt ab, indem sie 1983 das Buch „Heidenheim zwischen Hakenkreuz und Heidekopf“ erstellten. Die beiden suchten und interviewten zahlreiche Zeitzeugen, die Heidenheim im Dritten Reich erlebt hatten. Das Buch ist auch heute noch absolut lesenswert und hochaktuell.

Jürgen Bohnert war von Haus aus ein Verwaltungsmann, verdiente er seinen Lebensunterhalt als Stadtoberverwaltungsrat bei der Stadt Heidenheim. In ehrenamtlichen Gremien hatte er sehr oft eine Engelsgeduld, wenn er komplizierte Verwaltungsvorgänge in normales Deutsch übersetzte. 1993 kandidierte er erfolglos als Nachfolger von Martin Hornung als Oberbürgermeister von Heidenheim. Trotzdem war er bereit nach seinem Ausscheiden aus der Stadtverwaltung kommunalpolitische Verantwortung zu übernehmen. Er rückte 2 Mal in den Heidenheimer Gemeinderat als Stadtrat nach. In der Fraktion war er nicht der Besserwisser aus der Verwaltung, sondern er brauchte seine unglaublichen Verwaltungskenntnisse ein, was zahlreiche sehr praxisnahe und pragmatische Anträge der SPD-Fraktion im Gemeinderat nach sich zog.

Jürgen Bohnert war eigentlich überall. Er war das, was vor allem in unserem Land sehr geschätzt wird. Aktiv in den Vereinen unterwegs. Als Kreisjägermeister, als ehrenamtlicher Richter am Landessozialgericht, bei der AWO, im Hundesportverein, im Kneippverein. Und nicht nur als zahlendes Mitglied. Wenn er von etwas überzeugt war, dann engagierte er sich. Seine Themen waren, wen wundert es, kommunale Finanzen, Natur, Umwelt und immer wieder das Bekenntnis zur Demokratie.

Jürgen Bohnert war geerdet, was, wie er oft sagte, seinen 4 Kindern und seiner Frau zu verdanken war. „Du glaubst nicht, wie viele gute Auseinandersetzungen und Anregungen ich zu Hause bekomme.“ So engagierte er sich in den letzten Jahren seines Lebens im Stadtseniorenrat Heidenheim, als dessen Vorsitzender. Der Umgang mit älteren Menschen war ihm sehr wichtig. „Diese Generation hat so viel für uns getan, wir schulden ihr Respekt.“

Die SPD verliert mit Franz-Jürgen Bohnert ein Urgestein, einen engagierten Pragmatiker, einen Fachmann und vor allem einen sehr netten Menschen.

Homepage SPD Kreisverband Heidenheim

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